„Australien? Australien! Ein Roadmovie“ von Tino Schrödl

Meo, fünf­zehn Jahre alt, Außenseiter, hat eine ein­zige Freundin, die dicke und starke Odette, die ihn vor über­grif­fi­gen Mitschülern beschützt, ansons­ten ein Kaninchen namens Qualle, geht gern in die Schule, trotz der Mitschüler, schätzt es, wenn alles sau­ber ist und das Leben tag­ein, tag­aus gleich ist, seine Mutter ist auch so, sie kocht ihm, was er gern isst, und zusam­men schauen sie fern.

Der Vater ver­kauft auf der gan­zen Welt Staubsauger und ist stän­dig weg. Als er ein­mal da ist, sagt er, dass er nach Australien gehen wird. Kein Problem für Meo und seine Mutter. Dann rückt der Vater aller­dings damit raus, dass es für drei Jahre ist – und er möchte, dass Frau und Sohn mit­kom­men. Bei sei­ner Stubenhockerfamilie ern­tet er damit keine Begeisterung, ganz im Gegenteil. Der Vater bit­tet um eine Chance, und so geht es in den Sommerferien erst mal für einen Urlaub nach Australien. Odette ist mit von der Partie, das war Meos Bedingung.

In Australien gibt es zunächst ein 08/15-Touristenprogramm, fami­liäre Spannungen inklu­sive, bis Meo und Odette sich im Kakadu-Nationalpark erst ver­lau­fen und dann bewusst von den ande­ren abset­zen, um auf eigene Faust nach Melbourne zu tram­pen. Das ist kein Spaziergang. Sie haben wenig Geld, nachts manch­mal kein Dach überm Kopf und oft genug nichts zu essen – aber sie tref­fen immer wie­der Leute, Einheimische vor allem, die ihnen hel­fen, ohne groß zu fra­gen. Nun, und selt­same bis gefähr­li­che Typen auch. Die bei­den hal­ten sich erstaun­lich gut, aber wie Superman und Superwoman rau­schen sie nicht durch, bei­leibe nicht. Und keine Frage, am Ende sind sie nicht mehr die, als die sie nach Australien kamen …

Die Geschichte rockt, sie ist span­nend und gut geschrie­ben. Am bes­ten ist jedoch die Art und Weise, wie Meo das, was er erlebt, erzählt: tro­cken, ehr­lich bis an die Schmerzgrenze, bild­haft, komisch. Die Wortwechsel sind teils zum Schießen, und in wel­che Situationen Meo und Odette kom­men … Sollte man wirk­lich lesen.

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Tino Schrödl: Australien? Australien!
illus­triert von Ulf K.
Hardcover, 288 Seiten
ueber­reu­ter
1. Auflage Juli 2014
ISBN: 978-3-7641-7016-5
14,95 Euro
Ab 12 Jahren

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„Der rubinrote Mantel“ von Katarina Genar

Dick ist das Buch nicht. Hundertvierundzwanzig Seiten, mit Mut zur Lücke bzw. Freiseite, die Schriftgröße ist ange­nehm und die Zeilen haben Platz zum Atmen. Egal? Nein, nicht egal, denn wenn die Wörter genug Raum haben, ist das Lesevergnügen ein­fach grö­ßer, gerade wenn es um Bücher für Kinder geht, und „Der rubin­rote Mantel“ von Katarina Genar wird ab neun Jahren empfohlen.

Der Klappentext kün­digt an, dass das Buch auch im Jahr 1932 spielt, und das in Verbindung des Mädchens im roten Mantel auf dem Cover ließ mich an den Film „Schindlers Liste“ den­ken, in dem ein Mädchen in einem roten Mantel im Ghetto von Krakau einen unver­gess­li­chen Auftritt hat. Doch Katarina Genars Geschichte „Der rubin­rote Mantel“ han­delt in Schweden, nicht in Deutschland.

Was pas­siert also in dem Buch? Livia wird elf, und in der Nacht vor ihrem Geburtstag hat sie einen Traum, ein frem­des Mädchen flüs­tert ihr etwas zu, von „Geburtstag“ und einem Buch. Das schönste Geschenk, das Livia zum Geburtstag bekommt, ist ein rubin­ro­ter Mantel aus dem Antikenladen in der Stillen Gasse. Der Mantel kommt gerade recht, denn es ist Oktober und sehr kalt. Livia trägt den Mantel also stän­dig, und er scheint irgend­et­was mit ihr zu machen. Denn plötz­lich zieht es sie zu einem bestimm­ten Ort in der Nähe ihres Hauses, an dem sie die Zeit ver­gisst. Zudem kann Livias Freundin Klara den Mantel nicht tra­gen, da er beim Anprobieren gleich fürch­ter­lich kratzt. Die bei­den Freundinnen schauen im Antikenladen, aus dem der Mantel stammt, vor­bei, und die Besitzerin Marianne erzählt, der Mantel sei seit Jahrzehnten immer wie­der zurück­ge­ge­ben wor­den, weil er kratze. Doch Livia merkt davon gar nichts.

Der rote Mantel scheint eine Verbindung her­zu­stel­len zwi­schen Livia, die im Jetzt lebt, und dem Mädchen, dem er frü­her gehörte, im Jahr 1932. Und im Laufe des Buches erfährt der Leser und auch Livia mehr über die­ses Mädchen aus der Vergangenheit, zum einen durch Tagebucheinträge, zum ande­ren durch eine ganz unver­hoffte Begegnung.

Es ist eine kleine, feine Geschichte, die einen mühe­los in ihren Bann zieht. Ein biss­chen Magie ist auch im Spiel, aber keine, die mit Elfen, Hexen, Zauberern zu tun hätte. Katarina Genar kann gut mit Worten umge­hen, sie braucht nicht zu viele, um eine beson­dere Stimmung zu erzeu­gen und ein leben­di­ges, recht kom­ple­xes Bild ihrer Heldin, Livia, zu zeichnen.

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Katarina Genar: Der rubin­rote Mantel
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Umschlagillustration und Vignetten von Lina Bodén
Urachhaus
ISBN: 978-3-8251-7876-5
1. Auflage August 2014
Hardcover, 124 Seiten
12,90 Euro
Ab 9 Jahren

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