„Luisa, Frau König und das goldene Herz“: eine Weihnachtsgeschichte von Soheyla Sadr

Die Geschichte ist schnell erzählt: Im win­ter­li­chen Park begeg­nen sich das Mädchen Luisa und eine Frau, die allein auf einer Bank sitzt, mit­ten im Schneetreiben. Luisa stellt der Frau Fragen, die Frau sagt nichts, sie ant­wor­tet, indem sie auf etwas zeigt, lächelt, nach oben blickt, die Augen schließt … Auf dem Beutel, den sie bei sich hat, steht „König“, dar­auf deu­tet sie, als Luisa sie nach ihrem Namen fragt.

Wer ist Frau König? Das erfah­ren wir nicht. Luisa denkt, sie sei eine Königin und der Park ihr Reich. Beim Abschied schenkt Frau König dem Mädchen einen klei­nen Beutel, den Luisa zu Weihnachten aus­packt, darin ist eine Kette mit einem gol­de­nen Herz.

Schön sind die Zeichnungen und die Farben. Das Buch strahlt Ruhe aus, Soheyla Sadr kon­zen­triert sich ganz auf Luisa und Frau König, auf deren Mimik und Gestik. Nur manch­mal tritt aus dem Schneetreiben oder Farbenmeer etwas and­res her­vor, so die Wolken am Himmel, ein Baum, ein Vogel. Also wirk­lich ein Buch, das schon für ganz Kleine geeig­net ist. Aber auch für Größere, da die Fragen, die Luisa Frau König stellt, eben nicht in Worten beant­wor­tet wer­den und damit Raum für Gedanken und eigene Antworten bleibt.

www.soheylasadr.de

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Soheyla Sadr: Luisa, Frau König und das gol­dene Herz
Eine Weihnachtsgeschichte
1. Auflage 2014
32 Seiten
Hardcover
Patmos
ISBN: 978-3-8436-0562-5
12,99 Euro

„Farben und Formen“ von Eva Heller

Zwei Bücher in einem, die sich prima ergän­zen, das sind die Klassiker „Die wahre Geschichte der Farben“ und „Ich bin Künstler, ich kann alles malen“ im neu erschie­ne­nen Doppelband „Farben und Formen“ von Eva Heller. Ich hoffe, es ist wegen die­ser Titelanhäufung noch nie­mand abge­sprun­gen, das wäre schade. Denn die Bücher sind toll.

Im ers­ten Band, „Die wahre Geschichte von allen Farben“, wird von den Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett erzählt, die nach und nach auf­ein­an­der­tref­fen, sich trie­zen, sich mischen und wie­der tren­nen, laut oder leise, spitz oder rund sind – und am Schluss den Farbenkreis bil­den. Das liest sich sehr kurz­wei­lig, ganz sim­pel und span­nend, und zu den Worten kann man gut malen, ob anhand der Zeichnungen im Buch oder frei Schnauze.

Im zwei­ten Band, „Ich bin Künstler, ich kann alles malen“, braucht man nicht viel mehr als Farben und ein-zwei Kartoffeln, um Vögel, Luftballons, einen Wald, eine Stadt usw. zu erschaf­fen. Über­sicht­lich und leicht ver­ständ­lich wird gezeigt, wie man sich die Kartoffelstücke zurecht­schnei­det und wel­che Farben man nimmt. Wie man Farben mischt, Muster ins Spiel bringt, aus einer Form ganz Verschiedenes schafft und mit Rahmen und der Unendlichkeit expe­ri­men­tiert. Dieses Buch ist eine Anleitung, aber eine spie­le­ri­sche, offene, die eher die Fantasie anregt als sie zu begren­zen, Tipps, Tricks und Suchbilder inklusive.

Wie gesagt, ein tol­les Buch. Empfohlen ab 5 Jahren, aber anfan­gen kann man damit sicher in jedem Alter etwas, wenn man Lust auf Farben und Ausprobieren hat.

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Eva Heller: Farben und Formen
(ent­hält: „Die wahre Geschichte von allen Farben“ und „Ich bin Künstler, ich kann alles malen“)
Hardcover, 96 Seiten, 21,6 cm x 25,2 cm
Lappan
ISBN: 978-3-8303-1223-9
16,95 Euro
Ab 5 Jahren

„Alles geschieht heute“ von Jesse Browner

Der Titel ist Programm, „Alles geschieht heute“ spielt tat­säch­lich an einem Tag. Nicht an irgend­ei­nem Tag im Leben von Wes, der eigent­lich Leslie heißt, die­sen Namen aber erfolg­reich ver­drängt hat, sodass nur noch seine Mutter ihn so nennt. Es ist der Tag nach der Nacht, in der Wes zum ers­ten Mal mit einem Mädchen geschla­fen hat, nicht mit dem Mädchen, das er seit einem Jahr regel­recht anbe­tet, son­dern mit einem Mädchen, das er eigent­lich nicht kennt.

Auf 249 Seiten weicht man Wes nicht einen Moment von der Seite, trifft seine kleine Schwester, die er sehr liebt, sei­nen Vater, den er ver­ach­tet, seine Mutter, die bett­läg­rig ist und die er mit pflegt, sei­nen bes­ten Freund und schließ­lich das Mädchen. Vor allem schaut man in sei­nen Kopf, und der Junge (er ist sieb­zehn Jahre alt) macht sich über etli­ches Gedanken, nicht zuletzt über eine Hausarbeit, die er umschrei­ben muss – aber wer das übli­che Teenager- und Schulgeplänkel erwar­tet, wird ent­täuscht, statt­des­sen gibt es phi­lo­so­phi­sches, ver­zwei­fel­tes, pathe­ti­sches, rot­zi­ges, nai­ves, spin­ner­tes Kopfkino.

Muss man mögen, es dau­erte eine Weile, bis ich ins Buch fand, und stre­cken­weise war es mir zu lang­at­mig, zum Ende hin packte es mich aber doch. Und das ist ja eigent­lich das Reizvolle, dass man mit man­chen Büchern gerade nicht die alt­be­kann­ten Wege betritt, son­dern sich auf etwas ein­lässt, das einem ziem­lich fremd ist.

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Jesse Browner: Alles geschieht heute
Aus dem Englischen von Anne Brauner
Hardcover mit Umschlag, 249 Seiten
Verlag Freies Geistesleben
ISBN: 978-3-7725-2775-3
1. Auflage Juli 2014
19,90 Euro
Ab 14 Jahren