„Bo sieht Gespenster“ von Harmen van Straaten

Bo zieht mit sei­nem Vater in ein Holzhaus am Waldrand – klingt idyl­lisch, aber: Das Haus ist alt, direkt neben­an befin­det sich ein Friefhof und in dem Haus spukt es. Dass es spukt, fällt aller­dings nur Bo auf, er sieht Wörter auf dem beschla­ge­nen Spiegel, Schornsteinrauch in Form eines Totenkopfs und hört lau­te Geräusche auf dem Dachboden. Für ihn ist klar: Das sind Gespenster!

Als es fröh­lich wei­ter­geht mit abson­der­li­chen Ereignissen, bekommt auch Bos Vater etwas mit. Für ihn ist jedoch stets klar: Das war Bo! Bo nimmt das locker, wahr­schein­lich, weil er gar nicht dazu kommt, sich über sei­nen Vater auf­zu­re­gen, denn dau­ernd pas­siert etwas, das Haus scheint selt­sa­me Gestalten nur so anzu­zie­hen. Und Bo freun­det sich mit Adrian an, der alt­mo­di­sche Klamotten trägt, sich auf dem Friedhof wie zu Hause fühlt und behaup­tet, er sei ein Gespenst …

Auf knapp hun­dert Seiten erzählt Harmen van Straaten in Wort und Bild eine Geschichte mit Gespenstern und Scheingespenstern über ein altes Haus, das es in sich hat, und über zwei Freunde, die eine kniff­li­ge Angelegenheit zusam­men zu einem guten Ende brin­gen. Witzig, über­ra­schend und nicht zu grus­lig, für alle ab acht Jahren.

Harmen van Straaten: Bo sieht Gespenster
Mit Illustrationen des Autors
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
104 Seiten
ab 8 Jahren
Verlag Freies Geistesleben 2018
ISBN 978-3-7725-2785-2
14 Euro

„Das 5-Minuten-Body-Anti-Aging-Programm“ von Manuel Eckardt

Keine Frage, das mit dem Motivieren hat Manuel Eckardt drauf, man star­tet neu­gie­rig in das Buch und bleibt dran, die 160 Seiten lesen sich schnell, auch wenn es nicht wenig Text ist, der in zwei Spalten geglie­dert wur­de und zunächst fast gänz­lich ohne Bilder aus­kommt. Schon auf dem Cover ver­spricht der Autor der Leserin, dem Leser, dass sein „5-Minuten-Body-Anti-Aging-Programm“ das bio­lo­gi­sche Alter „ab sofort“ sen­ke. Wie das geht?

Zunächst wirft Eckardt einen Blick auf die Lebensjahrzehnte des Menschen und kommt zu dem Ergebnis, dass bis drei­ßig, vier­zig der Körper in der Regel ganz gut funk­tio­niert, irgend­wann aber der Verfall begin­ne. Dieser Verfall kön­ne auf­ge­hal­ten bzw. sogar umge­kehrt wer­den, wenn man – salopp gesagt – das tut, was der Autor emp­fiehlt.

Eckardts Programm umfasst: Bewegung, ent­spre­chen­de Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel und Wasser. So sim­pel also, und der Autor ver­packt das auch in ein­fa­che, moti­vie­ren­de Worte, all­zu wis­sen­schaft­lich wird es nicht. Dem Thema „Bewegung“ ist das letz­te Drittel des Buches gewid­met, und hier gibt es jede Menge Fotos. Für vier Wochen hat der Autor ein Training zusam­men­ge­stellt, für jeden Tag ein ande­res 5-Minuten-Programm mit jeweils fünf Übungen. Diese sind auf der lin­ken Seite kurz und knapp erklärt, auf der rech­ten Seite pro Übung mit je vier klei­nen Fotos illus­triert. Man kann sich aber auch via App oder online Trainingsvideos anschau­en und direkt mit­ma­chen. Jede Woche wer­den nach­ein­an­der sie­ben Körperpartien trai­niert, an Tag 1 Brust und Bauch, an Tag 2 Beine, an Tag 3 Rücken und Bizeps usw.

Das ist ein guter Ansatz, fin­de ich, sich jeden Tag fünf Minuten bewusst bewe­gen kann sicher einen Effekt haben, nicht nur unmit­tel­bar auf den Körper, son­dern auch auf die Einstellung zu Sport und Bewegung. Zum Thema Ernährung bzw. zu den Makronährstoffen, wie es im Buch heißt, also Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß, schreibt der Autor nicht viel, aber ich habe für mich ein paar Tipps mit­ge­nom­men. Wasser soll man nach Eckardt sehr viel trin­ken, viel mehr, als gemein­hin emp­foh­len wird, und das ist eine Sache, bei der man mei­ner Meinung nach bei Hausarzt/Hausärztin nach­fra­gen soll­te, was er/sie davon hält. Das gilt auch für das gefühl­te Lieblingsthema des Autors, die Nahrungsergänzungsmittel bzw. Mikronährstoffe: Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren.

Am Anfang des Buches fin­det sich eine Tabelle, eine Übersicht über 47 Mikronährstoffe, dazu jeweils die Einnahmeempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie von Manuel Eckardt. Die Werte bei Eckardt sind fast immer deut­lich höher und allein die Vorstellung, täg­lich hohe Dosen von 47 Nahrungsergänzungsmitteln zu neh­men, erscheint mir gru­se­lig. Aber nur das habe den gewünsch­ten Effekt und bewir­ke eine Verjüngung, erklärt Manuel Eckardt spä­ter im Buch aus­führ­lich, und schäd­lich sei­en die Dosen auch nicht. Hier soll­te man mei­nes Erachtens auf jeden Fall beim Hausarzt nach­fra­gen, denn es ist ja immer mal wie­der zu lesen, dass Nahrungsergänzungsmittel durch­aus uner­wünsch­te Nebenwirkungen haben kön­nen.

Ein inter­es­san­ter Ratgeber also, aus dem ich mir eini­ges mit­ge­nom­men habe, bei dem man aber auch das ein oder ande­re kri­tisch hin­ter­fra­gen kann. Der Autor weist selbst auf der ers­ten Textseite dar­auf hin, dass es sich um „Anregungen“ han­de­le, die auf Selbsterfahrungen und Erfahrungen aus sei­nem beruf­li­chen Alltag beruh­ten, dass nichts schäd­lich sei, man im Zweifel aber den Arzt fra­gen sol­le.

Manuel Eckardt: Das 5-Minuten-Body-Anti-Aging-Programm. Das bio­lo­gi­sche Alter ab sofort sen­ken
Lektorat: Linda Strehl
166 Seiten
hum­boldt 2018
ISBN 978-3-86910-328-0
19,99 Euro

„Die tun nicht nichts, die liegen da und wachsen“ von Elisabeth Raffauf

„Die tun nicht nichts, die lie­gen da und wach­sen“ ist ja schon mal ein sehr anspre­chen­der Titel, dazu passt das Cover mit gro­ßer Schrift und Teenagerkopf. „Was in der Pubertät hilft“ lau­tet der Untertitel des Buchs und gleich in der Einleitung stellt die Autorin – Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf – klar, dass sie kei­ne Ratschläge geben, son­dern Geschichten erzäh­len will. Geschichten von der Pubertät also, und die­se sind ganz locker nach Themen in 26 Kapitel sor­tiert, zum Beispiel:

  • „Mama, geh ster­ben.“ Das Gegenteil von Respekt
  • „Gucken, was geht.“ Grenzen sind zum Überschreiten da
  • „Was kann ich dafür, dass ihr die Wahrheit nicht ver­tragt?“ Lügen, Kontrolle und Vertrauen
  • „Ich kann auch ohne Handy schlecht in der Schule sein.“ Medien
  • „Du stinkst.“ Mobbing
  • „Ihr seid die mie­ses­ten Eltern der Welt.“ Eltern müs­sen manch­mal doof sein

Das sind bloß 6 von 26 Kapitelüberschriften, und man ahnt bereits, dass die Autorin ziem­lich umfas­send ver­schie­dens­te Dinge auf­greift, die Eltern umtrei­ben, wenn ihre Kinder lang­sam ins Pubertätsalter kom­men oder schon mit­ten­drin sind. Statt bei den Eltern Panik zu schü­ren, bringt die Autorin ein gutes Stück Gelassenheit rein, indem sie selbst von ihrer Pubertätszeit erzählt und ande­re Mütter und Väter von Teenagern zu Wort kom­men lässt. Die Storys an sich sind nicht unbe­dingt beru­hi­gend, ihre Botschaft aber schon: Denk an frü­her, du warst auch mal Teenager und in der Pubertät und hast über die Stränge geschla­gen, es ging dir schlecht, dei­ne Eltern waren das Letzte, du bist aus­ge­tickt usw., aber das war eine Phase in dei­nem Leben und die war nötig und auch irgend­wann vor­bei.

Die Einleitung des Buches und eigent­lich das gan­ze Buch steht unter dem Motto: „Erinnern hilft ver­ste­hen“, und das mag ein Schlüssel für Eltern sein, die Pubertätszeit der eige­nen Kinder für bei­de Seiten mög­lichst erträg­lich zu gestal­ten – erin­nern und ver­su­chen zu ver­ste­hen bzw. Verständnis zei­gen. „Was in der Pubertät hilft“, kann Elisabeth Raffauf wohl recht gut ein­schät­zen, sie arbei­tet als Psychologin in einer Erziehungsberatungsstelle und in eige­ner Praxis und hat schon meh­re­re Erziehungsratgeber und Aufklärungsbücher ver­fasst, auch ihr neu­es Buch pro­fi­tiert von die­sem Erfahrungsschatz. Sie blen­det nicht aus, dass Pubertät für alle Beteiligten anstren­gend, schwie­rig, ver­let­zend usw. sein kann, dass es Probleme gibt – aber die las­sen sich meist lösen und über­ste­hen und wie war das noch mal, frü­her, als man selbst jung und in der Pubertät war?

Elisabeth Raffauf: Die tun nicht nichts, die lie­gen da und wach­sen. Was in der Pubertät hilft
192 Seiten
Patmos 2018
ISBN: 978-3-8436-1019-3
18 Euro

„Martin Luther King: Ich habe einen Traum. Ein Lesebuch“

Martin Luther King, klar, kennt man. Aber wie sieht es mit Texten von ihm aus, Predigten, Ansprachen, Reden? Wer da mal rein­le­sen möch­te, kann das mit „Martin Luther King: Ich habe einen Traum. Ein Lesebuch“ tun, das jetzt im Patmos Verlag erschie­nen ist. Herausgeber ist Heinrich Grosse. Für das Buch hat er drei­zehn Texte aus den Jahren 1955 bis 1968 aus­ge­wählt. Die Texte sind chro­no­lo­gisch geord­net und jeweils vor­an­ge­stellt sind eini­ge Sätze des Herausgebers zu den genau­en Umständen, in denen der Text ent­stand. Am Ende des Buchs fin­det sich eine Zeittafel mit zwei Spalten: Stationen in Martin Luther Kings Leben auf der einen Seite und auf der andern Ereignisse der Weltpolitik bzw. deut­scher Politik. Zu Stationen von Kings Leben hat der Herausgeber auch am Anfang des Buchs ein paar Worte geschrie­ben, sie sind eine gute Einführung.

Geboren wur­de Martin Luther King am 15. Januar 1929, ermor­det wur­de er am 4. April 1968 im Alter von neun­und­drei­ßig Jahren. 1955 war er also sechs­und­zwan­zig Jahre alt. Ende 1955 war in Montgomery die Näherin Rosa Parks im Bus nicht für einen Weißen auf­ge­stan­den und des­we­gen ver­haf­tet wor­den. Martin Luther King war Pastor in Montgomery und orga­ni­sier­te den dar­auf fol­gen­den Busboykott mit: Schwarze soll­ten so lan­ge nicht mehr in Montgomery mit Bussen fah­ren, bis die Rassentrennung in Bussen auf­ge­ho­ben wür­de. Das geschah knapp ein Jahr spä­ter. Die Rede, die Martin Luther King bei der ers­ten gro­ßen Protestversammlung zum Busboykott hielt, ist die ers­te im Buch. Die letz­te ist die, die er am Tag vor dem Attentat in Memphis hielt.

Natürlich weiß man nach der Lektüre des Buchs nicht „alles“ über Martin Luther King, wie denn auch. Das knapp 190 Seiten star­ke Buch bie­tet einen Einblick und Überblick über Leben und Werk Kings. Die Texte wur­den zwar vor fünf­zig bis sech­zig Jahren geschrie­ben, aber sie wir­ken nicht ver­staubt und behan­deln sehr heu­ti­ge Themen. Diskriminierung, Rassismus, Krieg, Hunger usw., all das ist kein Schnee von ges­tern, son­dern nach wie vor aktu­ell. Und King fin­det Worte dafür, die zum Nachdenken anre­gen und berüh­ren.

Der Herausgeber, Heinrich Grosse, hat­te 1967 bis 1968 in Boston, USA, stu­diert und begeg­ne­te Martin Luther King selbst, über ihn pro­mo­vier­te er spä­ter und beschäf­tig­te sich wei­ter mit des­sen Leben und Werk, über­setz­te auch eini­ge sei­ner Reden ins Deutsche. Das merkt man dem Buch an, es ist ein­fach eine run­de Sache. Und die Hülle stimmt auch: anspre­chen­des Cover, fes­ter Einband und Lesebändchen. Also: ein sehr gelun­ge­nes Lesebuch über Martin Luther King.

Unter ande­rem im Buch:

  • Ansprache vom 5. Dezember 1955 in Montgomery bei Protestversammlung zu Busboykott
  • Ansprache vom 28. August 1963 im Rahmen des „Marsches auf Washington für Jobs und Freiheit“: „Ich habe einen Traum“
  • Predigt vom 13. September 1964 in Ost-Berlin in der Marienkirche
  • Rede vom 10. Dezember 1964 anläss­lich Entgegennahme des Friedensnobelpreises: „We shall over­co­me“
  • Auszüge der Ansprache vom 4. April 1967 in New York gegen den Krieg in Vietnam
  • Schluss der Ansprache vom 3. April 1968 in Memphis im Rahmen des Müllarbeiterstreiks: „Ich bin auf dem Gipfel des Berges gewe­sen“

Martin Luther King: Ich habe einen Traum. Ein Lesebuch
Herausgeber: Heinrich Grosse
192 Seiten
Patmos 2018
ISBN: 978-3-8436-1037-7
20 Euro